Liefert Airbus A350-1000 nun an Lufthansa?

Flugzeugtaufe D-AIVC A350-900 „München“ mit Carsten Spohr und Bayrischer MP Markus Söder am 29. 04. 2022/Foto: Lufthansa

Ein Deal über A350-1000 von Qatar Airways könnte für Lufthansa ein aktuelles Flottenproblem lösen, denn  Airbus sucht Ersatzkunden für kurzfristig verfügbare A350-900 und -1000. Sanktionen gegen Russland versperren Auslieferungen an Aeroflot und ein Rechtsstreit zwischen Airbus und Qatar Airways steht der Auslieferung an Qatar Airways im Weg.

Aeroflot darf nicht und Qatar Airways will nicht. Von 22 bestellten A350-900 hat Airbus erst sieben an Aeroflot übergeben, die letzte am 24. Februar, dem Tag des russischen Überfalls auf die Ukraine. Qatar Airways und Airbus fechten einen erbitterten Rechtsstreit um Lackplatzer an der A350 aus. Weil Qatar Airways inzwischen Liefertermine für drei A350-1000 verstreichen ließ, sucht Airbus auch für diese Flugzeuge – und möglicherweise weitere Slots – einen Ersatzkunden.

 

Nach Informationen von aero.de will Lufthansa zuschlagen. „Lufthansa spricht mit Airbus über A350-Slots von Aeroflot und Qatar“, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen aero.de.

Lufthansa betreibt aktuell 18 A350-900, zwei weitere Leasing-Flugzeuge stehen kurz vor der Aktivierung. Die Topversion A350-1000 hat Lufthansa hingegen bisher nicht bestellt. Bereits im März hatte Lufthansa-CEO Carsten Spohr signalisiert, für A350-1000 aus Aeroflot-Positionen nachrücken zu wollen.

Nach Sanktionen gegen Russland blieben Airbus und Boeing auf ihren Flugzeugen sitzen. Lufthansa wittert nun Chancen auf günstige Whitetails, auf fertig gebaute Flugzeuge, für die dem Hersteller die  ursprünglich eingeplanten Kunden abgesprungen sind und will möglicherweise einige A350 und A320 im Markt auflesen, die Airbus wegen Sanktionen nicht mehr an die eigentlichen Kunden in Russland liefern kann.

Es gebe in dieser Hinsicht „interessante Marktopportunitäten bei A350 und 787 durch die abspringenden russischen Airlines“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr in Frankfurt. „Wir sind mit Airbus und Boeing in Kontakt – hier gibt es Flugzeuge, die nicht ausgeliefert werden können.“

Lufthansa hatte in der Krise bereits fünf zusätzliche Boeing 787 als Whitetails erworben. Airbus bezifferte den gefährdeten Auftragsbestand zuletzt auf 14 A350 von Aeroflot und 40 A320neo/A321neo von Leasingfirmen, die zuletzt für russische Kunden reserviert waren.

A350-1000 statt 777-9?

Nachdem sich die Boeing 777-9 weiter verzögert, braucht Lufthansa auch in dieser Größenklasse eine Brückenlösung. Boeing verschiebt die Auslieferung seines modernisierten Großraumjets 777X ein weiteres Mal: Wegen Problemen bei der Zertifizierung werde das erste Exemplar der Langversion 777-9 erst im Jahr 2025 ausgeliefert. Erst vor gut einem Jahr hatte Boeing die Premiere bis ins Spätjahr 2023 vertagt und deshalb eine Milliardenbelastung verbucht.

Die erneute Verzögerung werde ab dem zweiten Quartal zu Mehrkosten von insgesamt 1,5 Milliarden Dollar führen, hieß es nun. Die Verzögerung betrifft auch Lufthansa unmittelbar – der Konzern hatte bisher mit den ersten 777-9 für das Drehkreuz Frankfurt im Winter 2023/2024 gerechnet.

Das erste Vierteljahr sei von neuen Herausforderungen geprägt gewesen, sagte Boeing-Chef Dave Calhoun. Boeing musste angesichts des Ukraine-Kriegs hohe Belastungen schultern. Zudem ächzt der Airbus-Rivale weiter unter Problemen beim Langstreckenjet 787 „Dreamliner“ und Schwierigkeiten bei der neuen US-Präsidentenmaschine Air Force One.

Die Lieferausfälle an Aeroflot und Qatar Airways stellen nach Informationen der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ eine für Frühjahr 2023 geplante Anhebung der A350-Produktion von fünf auf sechs Flugzeuge pro Monat in Frage.

Quellen: Bloomberg, aero.de, Lufthansa

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