
Zum 30. Mal nimmt auch in diesem Jahr beim Rheingau Musik Festival der Klassik-Marathon seinen festen Platz ein. Wie jedes Jahr bekommen junge Nachwuchsmusiker die Möglichkeit, sich der internationalen Musik- und Festspielwelt zu präsentieren. Aus vielen jungen Musikern, die hier debütierten, sind inzwischen internationale Stars geworden. Der Rheingau mit seinen Burgen und Schlössern, mit seinen Kirchen, Klöstern und Weingütern gilt nicht nur als die Heimat köstlicher Weine, sondern mit dem Festival auch als Sprungbrett für große Musikerkarrieren.
Den Startpunkt setzen die Pianistin Josefa Schmidt und der Fagottist Emanuel Blumin-Sint mit Robert Schuhmanns „Fantasiestücken op.73“. Als Robert Schuhmann im Februar 1849 in nur wenigen Tagen seine Fantasiestücke zu Papier brachte, befand sich Deutschland am Vorabend einer blutigen Revolution, die sich in Aufständen und Straßenkämpfen entlud. Schuhmann entzog sich der Welt umso mehr, je bedrohlicher die Wirklichkeit auf ihn wirkte. Auch das „Andante e Rondo ungarese op.35“ von Carl Maria von Weber ist kein Originalwerk für Fagott und Klavier, sondern für Bratsche und Orchester. Später hat Weber es für das Fagott ùmgeschmolzen´. Im Zusammenspiel mit dem Klavier enfaltet sich das ungarische Timbre. Der erste Eindruck des Instrumenten-Duos Fagott und Klavier wirkt erstmal ungewohnt und eigenwillig,.entfaltet sich aber als wahrer Hörgenuss.
Weiter geht es mit Amiri Harewood und Dimitri Schostakowitsch und der Nr. 6 h-Moll aus 24 Präludien und Fugen op. 87. Danach mit Robert Schumanns „Geistervariantionen“. Man wartet erst mal bis der Pianist auf der Bühne erscheint. Er macht es spannend. Dann kommt er ganz langsam, setzt sich an den Flügel und es dauert, bis er anfängt zu spielen…
Nachdem er im 2024 Gewinner des Young Classical Artist Trusts und der Concert Artist Guild International Auditions war, wurde er außerdem zum Classic FM Rising Star 2025 gekürt.

Für ein Klangerlebnis besonderer Art sorgt das Duo „Klangtreff“. Bei Cellistin Marlene Förstel und Akkordeonist Michael Schwarzenbacher verschmelzen die beiden Instrumente eindrucksvoll. Sie präsentieren aus der Suite Italienne von Igor Strawinsky Introduzione, Serenata und Tarantella, anschließend Piazollas „Le Grand Tango“.

Für Maurice Ravels „Deux Melodies hebraiques“ steht Amiri Harewood ein zweites Mal auf der Bühne. Diesmal im Duo mit dem Kontrabassisten Will Duerden. Den zweiten Teil bestreitet Duerden als Solist. Eindrucksvoll entlockt er dem Instrument ein faszinierendes Spektrum an Klängen – von tiefen, sonoren, Tönen bis hin zu überraschend hohen und zutiefst berührenden Klängen. Er ist ein gefragter Solist, Kammer und Orchestermusiker.
Die Vokalmusik dieses Klassik Marathons wird dargeboten vom Stuttgarter „calens vokalensemble“ mit seinem breiten klanglichen Spektrum. Sie überzeugen das Publikum mit John Rutters „Choral Fanfare, mit Felix Mendelsons Bartholdys Psalmvertonung „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ und Pierre Villettes „Vater Unser“, mit Herbert Howells „Long long Ago“ und dem amerikanischen Volklied „Oh Shenandoah“. Letzteres verweist einfühlsam darauf, dass die Wurzeln der klassischen Musik in der Volksmusik liegen.
Johanna Wenninger-Muhr