Lufthansa-Rettung hat sich für den Steuerzahler gelohnt

Lufthansa Airbus A320neo/Foto: Lufthansa

Für die Steuerzahler hat sich die Lufthansa-Rettung gelohnt: Mit 1,07 Milliarden Euro überstiegen die insgesamt erzielten Erlöse den zum Erwerb der Beteiligung eingesetzten Betrag von 306 Millionen Euro deutlich. Unter dem Strich ist ein Gewinn von 760 Millionen Euro übriggeblieben.

Der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), aus dessen Mitteln die Gelder stammten, gab jetzt bekannt, alle Lufthansa-Aktien wieder an Investoren verkauft zu haben – und zwar mit deutlichen Gewinn. 1,07 Milliarden Euro nahm der Fonds beim Verkauf in mehreren Tranchen ein. Unter dem Strich bleiben damit 760 Millionen Euro Gewinn.

Die Chefin der Finanzagentur, Dönges, sprach von einer „erfreulichen Bilanz“. Der Staat steige früher aus, als er sich zum Ziel gesetzt hatte: Eigentlich sollte der WSF die restlichen Aktien erst bis zum Herbst 2023 verkaufen.

Lufthansa-Chef bedankt sich bei Regierung und Steuerzahlern

Lufthansa-Chef Carsten Spohr begrüßte den Ausstieg des Staates und bedankte sich erneut bei Bundesregierung und Steuerzahlern für die Unterstützung in der schwersten Krise des Unternehmens. Lufthansa sei nun wieder vollständig in privater Hand. Man werde weiter hart dafür arbeiten, ihre Position unter den führenden Airline-Gruppen der Welt zu stärken, so Spohr.

Für die Lufthansa enden mit dem Ausstieg des Bundes auch alle noch verbliebenen Auflagen, wie das Unternehmen betonte. Bedingung der Rettung durch den Staat in der Corona-Krise war etwa, dass die Airline auf Dividendenzahlungen verzichten musste und es Beschränkungen bei der Managervergütung gab.

Zum ersten Mal seit drei Jahren will Lufthansa in diesem Jahr auch  wieder schwarze Zahlen schreiben. Dass dies überhaupt möglich ist, verdankt die Airline auch der Bundesregierung. Als der Flugverkehr 2020 wegen der Corona-Pandemie weltweit einbrach, half der Staat mit einen insgesamt neun Milliarden Euro schweren Stabilisierungspaket aus.

Doch das ist nicht alles: Die Lufthansa hatte aus dem Paket des WSF Hilfen über 3,5 Milliarden Euro abgerufen. Diese mussten verzinst zurückgezahlt werden. Der Zinssatz startete bei 3,75 Prozent pro Jahr und hätte sich später auf bis zu 9,5 Prozent erhöhen können.

Weil die Geschäfte schon 2021 wieder besser liefen, konnte die Airline ihre Schulden beim Staat schon bis November vergangenen Jahres vollständig begleichen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr bezifferte die Zinszahlungen auf insgesamt rund 92 Millionen Euro. Damit erhöht sich der Gesamterlös aus der Rettung für den Staat auf 852 Millionen Euro. Gerechnet am Einsatz von 3,8 Milliarden Euro wäre das eine Rendite von 22 Prozent über zwei Jahre – ein sehr gutes Geschäft.

Die schnelle Rückzahlung der Kredite war Voraussetzung dafür, dass der WSF sich jetzt von den Aktien trennte. Laut Abmachung hätte er dazu bis Ende 2023 Zeit gehabt.

Der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) habe die restlichen 74,4 Millionen Lufthansa-Aktien am 13. September für insgesamt 455 Millionen Euro bei internationalen Investoren platziert, teilte die Finanzagentur des Bundes mit. „Das Unternehmen liegt wieder in privaten Händen“, sagte Jutta Dönges, die den WSF als Geschäftsführerin der Finanzagentur verantwortet. Die Stabilisierung sei erfolgreich abgeschlossen. Die Stillen Einlagen hatte die Lufthansa bereits im Herbst 2021 getilgt.

Einen Teil der nun verkauften Aktien sicherte sich der Milliardär Kühne.

Bereits Ende Juli hatte der Bund seinen Anteil auf weniger als zehn Prozent reduziert. Damit war der Hamburger Logistikunternehmer und Milliardär Klaus-Michael Kühne zum größten Lufthansa-Aktionär aufgestiegen. Dieser stockte nun seine Beteiligung an der Airline weiter auf und übernahm einen Teil der bisher im Besitz des Bundes befindlichen Lufthansa-Aktien. Die Kühne Holding AG habe ihren Gesamtanteil an dem MDAX-Konzern auf rund 17,5 Prozent aufgestockt, wie eine Sprecherin auf Anfrage erklärte. Man habe das Verkaufsverfahren des WSF gerne aktiv unterstützt. Kühne ist damit der mit Abstand größte Aktionär der Lufthansa. Das „Handelsblatt“ berichtete, ein Vertreter Kühnes solle einen Sitz im Aufsichtsrat erhalten.

Der Unternehmer hatte Anfang März über eine private Beteiligungsgesellschaft die Meldeschwelle von fünf Prozent ausgelöst. Nur wenige Wochen später, im Mai, bekundete Kühne dann bereits Interesse an einem Lufthansa-Aufsichtsratsposten. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Unternehmer seine Anteile gerade auf über zehn Prozent aufgestockt.

Kühne verfolgt mit Lufthansa strategische Ziele

Die Lufthansa sei „eine hervorragende Abrundung des bisherigen Beteiligungsportfolios, in der logistisches Know-how über diverse unabhängige Beteiligungen gebündelt ist“, hieß es damals in der Pflichtmitteilung. Kühne gehören die Mehrheit an dem Schweizer Logistikkonzern Kühne + Nagel sowie 30 Prozent an der Hamburger Reederei Hapag-Llyod. Der Unternehmer rangiert mit einem geschätzten Vermögen von 32 Milliarden Dollar auf Platz 33 der Forbes-Milliardärsliste.

Der Unternehmer könnte es laut Branchenbeobachtern vor allem auf das lukrative Frachtgeschäft der Lufthansa abgesehen haben. So investierten einige große Reedereien, die in der Corona-Pandemie dank hoher Frachtraten viel Geld verdienten, zuletzt in den Luftfrachtbereich.

Lufthansa-Aktie im Minus

Die Lufthansa-Aktie steht nach dem Komplettausstieg des Bundes im Handel an der Frankfurter Börse unter Druck. Das dürfte jedoch zumindest zum Teil auch auf eine negative Branchenstudie des US-Finanzdienstleisters Stifel zurückzuführen sein, die eine skeptische Haltung zu den Perspektiven der Airlines und Flughäfen bezog.

Quellen: faz.de, tagesschau.de

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