
Die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach, BWV 232, gilt als eine der bedeutendsten geistlichen Kompositionen der Musikgeschichte. Es ist Bachs letztes großes Vokalwerk und seine einzige Komposition, der das vollständige Ordinarium des lateinischen Messetextes zugrunde liegt. Es handelt es sich um eine Missa solemnis, die aus 18 Chorsätzen und neun Arien besteht. Bach komponierte 1733 zunächst eine Missa aus Kyrie und Gloria. Gegen Ende seines Lebens stellte er die übrigen Sätze aus Bearbeitungen früher komponierter Sätze, überwiegend aus seinen Kantaten und neuen Kompositionen zusammen.
Das Manuskript von 1748/1749 gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.
Die Komposition übertrifft alles, was an Messvertonungen nicht allein der Bach-Zeit, sondern weit darüber hinaus bekannt ist. In diese erhabene Sakralkomposition ließ Bach in das vielgestaltige Werk die ganze Bandbreite seiner Kunst einfließen: Von einfacher Liedhaftigkeit bis zu komplizierter Polyphonie und von großer Barockpracht bis zu inniger Empfindsamkeit bietet die Messe alles, was sein kompositorisches Schaffen auszeichnet.
Es war ein Hochgenuss für alle Freunde des überwältigenden chorsinfonischen Repertoires. Das Aufführungsensemble, das preisgekrönte britische Barock-Ensemble Arcangelo, war bestens mit dem Œuvre Bachs vertraut. Es verwandelte unter der Leitung von Jonathan Cohen die ehrwürdige Basilika des Klosters Eberbach an diesem Abend in eine große Klangkathedrale.
Arcanglo ist ein vielfach ausgezeichnetes und international renommiertes Originalklangensemble für Alte Musik, das 2010 von Jonathan Cohen gegründet wurde und von ihm geleitet wird. Er ist einer der herausragendsten jungen Musiker aus Großbritannien. Er feierte bereits Erfolge als Dirigent, Cellist und Pianist. Nach dem Studium am Clare College in Cambridge begann Jonathan Cohen seine Karriere indem er sich zunächst einen Namen als Cellist einem Namen machte und mit den führenden britischen Orchestern zusammenarbeitete. Diese Erfahrungen und sein Interesse an historischen Instrumenten mündeten in die Entwicklung eines eigenen Crossover-Stils im Bereich der alten Musik. „,Mit Cohens Musikern könnte man ein Freudenfeuer entfachen – und noch einiges mehr“ schrieb The Times im März 2025.
Das Publikum in der Basilika von Kloster Eberbach empfand das genauso. Es honorierte diese Aufführung des Rheingau Musik Festivals 2026 mit tosendem Applaus und Standing Ovations.
Johanna Wenninger-Muhr