Lufthansa: Piloten bleiben an Bord

Lufthansa Piloten bleiben an Bord. Cockpit Airbus A320/Foto: Lufthansa

Lufthansa will entgegen früherer Ankündigungen im Frühjahr keine Piloten mehr entlassen. Die weltweit erholte Nachfrage führe langfristig zu deutlich besseren Perspektiven im Cockpit, sagte das Unternehmen am 18.02.  in Frankfurt.

In der Coronakrise hatte sich die Airline von zehntausenden Beschäftigten getrennt. Wie viele der einst 5000 Flugzeuglenker der Kernmarke die Airline verlassen haben oder noch ausscheiden werden, konnte die Lufthansa nicht beziffern. Rund 1100 Cockpit-Beschäftigte waren nach früheren Unternehmensangaben zu viel an Bord. Neue Jobs müssen zum Beispiel noch für Beschäftigte der Lufthansa-Tochter Germanwings gefunden werden, die in der Krise geschlossen worden war.

Vorstandschef Carsten Spohr hatte während der Verhandlungen mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit über tarifliche Zugeständnisse in der Krise mehrmals mit Kündigungen gedroht. Aber schon im August hieß es, auf dieses harte Mittel könne voraussichtlich verzichtet werden. Mittlerweile sind die Aussichten mit der Erholung der Nachfrage nach dem Einbruch in der Pandemie wieder so gut, dass die Lufthansa wieder die zeitweise eingestellte Ausbildung von jungen Pilotinnen und Piloten starten kann. Die Airline sieht langfristig wieder bessere Perspektiven für ihr Geschäft und beendet ihren Schrumpfkurs. Die meisten Piloten können an Bord bleiben – auch bei der Kernmarke.

Auch bei der Kernmarke Lufthansa könne man auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Noch leidet der zwischenzeitlich vom Staat gerettete Konzern unter der Corona-Flaute und fliegt im laufenden Quartal nur rund die Hälfte der vor der Krise gewohnten Passagiere.

Das Abfindungsprogramm

Die Lufthansa-Gruppe beschäftigt rund 11.000 Piloten und Pilotinnen, rund 5000 davon bei der Kernmarke. In der Corona-Krise hatte der MDax-Konzern angekündigt, seine Personalstärke von weltweit rund 140.000 auf bis zu 100.000 Menschen zu reduzieren. Nach Informationen des „Handelsblatts“ soll der Schrumpfkurs nun beendet werden bei einem Stand von knapp 107.000 Beschäftigten.

Von den Lufthansa-Kapitänen haben sich dem Vernehmen nach mehr als 400 entschieden, gegen Abfindungen vorzeitig aus dem Dienst zu scheiden. Lufthansa kündigte am 18. Februar  an, diesen Weg auch den Co-Piloten anzubieten. Auch bei der eigentlich erfolgreichen Lufthansa Cargo soll es ein Freiwilligen-Programm geben. Außerdem könnten kollektive Teilzeitmodelle den bestehenden Personalüberhang lösen.

Grundsätzliche Vereinbarungen dazu stehen mit der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) noch aus, mit deren Tarifkommission man sich in der kommenden Woche in eine mehrtägige Klausur begeben will. Personal-Vorstand Michael Niggemann bezeichnete es als großen Erfolg, die betriebsbedingten Beendigungskündigungen abgewendet zu haben. Dafür habe man hart gearbeitet. VC-Tarifvorstand Marcel Gröls sprach von einem positiven Signal.

Pilotenausbildung wird wieder aufgenommen

Das Unternehmen erwartet gleichwohl weitere Sparbeiträge der Stamm-Piloten. In anderen Konzern-Airlines wie Eurowings und Eurowings Discover sind Neueinstellungen zu geringeren Tarifkonditionen ausgeschrieben. Auch die Zukunft von etwas mehr als 200 Pilotinnen und Piloten der abgewickelten Tochter Germanwings ist noch ungeklärt. 80 ihrer Kollegen wurden bereits nach München zu Lufthansa versetzt.

Zudem kündigte Lufthansa an, ihre zwischenzeitlich unterbrochene Pilotenausbildung im Sommer wieder aufzunehmen. Anders als bislang soll es keine Kurse mehr geben, die nahezu automatisch zu einer Einstellung bei der Kernmarke führen. Einheitliches Ausbildungsziel ist nun die allgemein anerkannte Verkehrspilotenlizenz ATP, mit der sich die Absolventen bei Arbeitgebern innerhalb und außerhalb der Lufthansa Group bewerben könnten. Ausbildungsorte sind die an United veräußerte Flugschule in Goodyear/Arizona, Rostock-Laage sowie für die Theorie Bremen und Zürich.

Quellen: dpa, dpa-infocom, Lufthansa, Handelsblatt, Spiegel.

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