Der AUA-Poker

Seit Mitte 2019 überprüft Austrian Airlines mit einer ganz neuen Drohnen-Technologie den technischen Zustand ihrer Flugzeug Flotte:/Foto: Austrian Airlines

Österreich will der AUA helfen. Die Alpenrepublik  stellt jedoch Bedingungen an die Lufthansa. Diese stemmt sich indessen noch gegen zu viel Einfluss im Fall einer Beteiligung des Staates. Am Freitag, 15. Mai, saßen alle Beteiligten im AUA-Poker in Wien an einem Tisch.

Die Verhandlungen um die Rettung von er Austrian Airlines treten in eine entscheidende Phase. Am 18. Mai  sollen die Wirtschaftsprüfer eine Prognose über die Chancen auf den Fortbestand der AUA vorlegen. Dazu benötigt man allerdings die Unterstützung durch die öffentliche Hand – konkret soll die Republik Österreich der AUA mit Hilfen in Höhe von beinahe 800 Millionen Euro unter die Arme greifen, davon mit knapp 270 Mill. Euro Eigenkapital.

An diesem Punkt werden die Gespräche schwierig, denn die Republik will staatliches Kapital nur dann zuschießen, wenn man im Gegenzug dafür eine Beteiligung an der AUA-Mutter Lufthansa erhält. Diese verhandelt ihrerseits mit der deutschen Regierung über ein neun Mrd. Euro schweres Hilfspaket, im Zuge dessen der Staat mit bis zu 25 Prozent bei der Lufthansa einsteigen könnte. Schon das löst beim Lufthansa-Management keine Begeisterung aus, aber auch in der Politik gibt es skeptische Stimmen, etwa die von CSU-Chef Markus Söder.

Das Szenario, neben Deutschland auch die Republik Österreich als Aktionär an Bord zu haben, will die Lufthansa unbedingt vermeiden. Als möglicher Ausweg gilt eine Beteiligung an der zwischen Lufthansa und AUA geschalteten Österreichischen Luftfahrtholding ÖLH. Für Österreich hätte die Beteiligung an der börsenotierten Lufthansa mehr Charme, weil sich die Aktien jedenfalls zu Geld machen ließen, sogar mit Gewinn. Ungeachtet dessen drängt die Koalition in Wien jedenfalls auf fixe Zusagen der Lufthansa für die Jobs bei der AUA und den Standort Wien.

Das hielt Finanzminister Gernot Blümel am Freitag nach einem AUA-Gipfeltreffen noch einmal fest. Er habe klargemacht, „dass es österreichisches Steuergeld nur dann geben kann, wenn wir dafür rechtsverbindliche Garantien, was Standort, Nachhaltigkeit und Arbeitsplätze betrifft, bekommen“, sagte Blümel nach der Aussprache. An dieser nahmen Verkehrsministerin Leonore Gewessler, Staatssekretär Magnus Brunner, Landesräte der Flughafen-Anteilseigner Wien und Niederösterreich, das Flughafenmanagement, die Gewerkschaft sowie Vertreter der Staatsholding ÖBAG und der Finanzierungsgesellschaft COFAG und AUA-Chef Alexis von Hoensbroech teil. Laut Blümel gibt es „bei allen Beteiligten den Willen, sich an einer konstruktiven Lösung zu beteiligen“. Das nimmt auch der Betriebsrat für sich in Anspruch.

Das Bordpersonal sei zur Rettung der AUA bereit, auf mehr als 200 Mill. Euro bis 2023 zu verzichten. Beim AUA-Management sieht man aber noch Gesprächsbedarf, auch mit dem Bordbetriebsrat. „Die Richtung stimmt, wir sind weitergekommen, aber wir werden das Wochenende noch nützen müssen, um uns anzunähern.“ Der Beitrag der Piloten gilt als besonders wichtig, weil sie neben dem Management zu den bestbezahlten Mitarbeiter gehören. Für Piloten sei ein Einkommensverzicht von bis zu 43 Prozent geplant, teilte der AUA-Bordbetriebsrat mit. Einkommensstarke Berufsgruppen würden einen höheren Beitrag leisten, um kleine Einkommen zu entlasten. Die Fortsetzung der Kurzarbeit erfordere einen sozialen Ausgleich. „Piloten haben aufgrund ihres hohen Einkommens eine besondere Verantwortung, sowohl für das Unternehmen als auch für die gelebte Solidarität gegenüber ihren Kolleginnen und Kollegen“, teilte Bordbetriebsratschef Rainer Stratberger via Aussendung mit.

Das Sparpaket enthält laut Betriebsrat ein Bündel an Maßnahmen. Kernstück sei die Fortsetzung der Kurzarbeit bis 2022. Gleichzeitig verzichte das Bordpersonal auf kollektivvertragliche Vorrückungen und ausverhandelte Inflationsabgeltungen. Bis 2023 komme es somit zu keinen Gehaltserhöhungen, hohe Einkommen würden abgesenkt. Die Beiträge zur betrieblichen Pensionsvorsorge für dienstältere Flugbegleiter und Piloten werden halbiert. Weiters werde mit Änderungen bei den Flugdienstzeiten die nötig Flexibilisierung für die Aufbauphase nach der Krise gesichert. Danach würden „gezielte Maßnahmen zur Umstellung im AUA-Netzwerk gesetzt“. Gespart werden soll auch bei den Uniformen, der Bordverpflegung für die Crews und der Hotelunterbringung während des Dienstes.

Quellen: Salzburger Nachrichten, APA, Austrian Airlines

 

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