Air Berlin Insolvenz: Ryanair der Verlierer?

Seit 15. August 2017 insolvent: Air Berlin/(Foto: Air Berlin

Am 15. August hat Air Berlin Insolvenz beantragt. 8 500 Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft. Lufthansa werde dabei der große Gewinner sein, erklärt Luftfahrt-Experte Heinrich Großbongardt in einem Interview mit Spiegel online. Ryanair dagegen müsse um seine gute Position in Deutschland fürchten.

Für Heinrich Großbongardt, einem der bekanntesten deutschen Luftverkehrsexper-ten und ehemaligen Pressesprecher von Boeing und Cessna, der  mit seiner Firma Expairtise seit mehr als 30 Jahren Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrtindustrie berät, war der Schritt abzusehen: „Air Berlin hatte einen riesigen Schuldenberg mit sich herumzuschleppen. Es gab überhaupt keine Chance, den Kapitaldienst für Tilgung und Zinsen zu leisten – selbst wenn Air Berlin operativ schwarze Zahlen geschrieben hätte. Erst recht nicht mit einer schrumpfenden Flotte“ so Großbongardt. 

Vieles hätte darauf hingedeutet, dass das Management um Thomas Winkelmann den Insolvenzantrag von langer Hand als Plan B vorbereitet hat. Der Auslöser der Insolvenz sei die Entscheidung des Air-Berlin-Großaktionärs Etihad aus Abu Dhabi gewesen, nicht weiter für Air Berlin zu zahlen. „Die haben nach dem Abgang des langjährigen Etihad-Chefs James Hogan gesagt: Wir ziehen bei der nächsten Gelegenheit den Stecker“, so der Luftfahrtexperte.

Auf die Frage, ob Staatshilfen sinnvoll seien, denn nun müsse der Steuerzahler dafür zahlen, den Flugbetrieb in den nächsten Wochen aufrechtzuerhalten mit einem Notkredit der Staatsbank KfW über 150 Millionen Euro, Großbongardt: „Niemandem ist damit gedient, wenn alle Air-Berlin-Maschinen von heute auf morgen am Boden stehen bleiben. Das Unternehmen wäre sofort tot, 8500 Menschen wären ihre Arbeit los, Hunderttausende Passagiere könnten nicht mehr ihre Reise antreten, bestimmte Routen würden gar nicht mehr bedient.“ Das könne niemand wollen. Und gerade vor der Bundestagswahl habe die Politik kein Interesse an solchen Problemen. So aber sei der Flugbetrieb jetzt erst einmal bis Ende November gesichert.

Profitieren von der Air-Berlin-Pleite werde Lufthansa, ist sich Großbongardt sicher. Ryanair hingegen müsse um seine Position in Deutschland fürchten.

Quelle: Spiegel online

 

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