Eine Geburtstagsfeier der besonderen Art

Weltweit Krisen, Kerosinmangel und Streiks – ausgerechnet zum hundertsten Geburtstag bricht alles über die Lufthansa herein. Konzernchef Chef Carsten Spohr hält Umgang mit UFO und VC für das Unternehmen überlebenswichtig/Foto: Lufthansa

Fünf Tage Streik sind in der jüngeren Geschichte der Lufthansa ein harte Nummer. Doch ist es nicht nur das: Das Unternehmen sieht sich zugleich der schwierigsten wirtschaftlichen Situation seit der Corona-Pandemie gegenüber. Nun wirken zugleich die Folgen des Irankriegs: Das Kerosin wird knapp und es gibt härteste Auseinandersetzungen mit der Belegschaft. Extern und intern Turbulenzen – ungünstiger kann es für Lufthansa nicht laufen.

„Vielleicht sechs Wochen oder so“ reiche das Flugbenzin in Europa noch, sagte der Chef der Internationalen Energie Agentur Fatih Birol, vor wenigen Tagen in einem Interview mit der amerikanischen Nachrichtenagentur AP. „Wenn wir die Straße von Hormus nicht geöffnet kriegen, kann ich Ihnen sagen, dass wir bald die Nachricht hören werden, dass einige Flüge von Stadt A nach Stadt B aufgrund von Treibstoffmangel gestrichen werden könnten.“

Die Raffinerie-Kapazität in Europa  ist knapp und nicht alle Raffinerien können Kerosin herstellen. Rund ein Drittel des fertigen Kerosins hat die EU zuletzt importiert, davon kamen drei Viertel aus dem Persischen Golf. Deutschland kann sich nach Zahlen des Mineralöl-Verbands en2x mit Kerosin noch zu großen Teilen selbst versorgen. Doch: „Unsere Kerosinlieferanten ändern ihre Prognosezeiträume und sind nicht mehr bereit, einen Ausblick über einen Zeitraum von mehr als einem Monat zu geben“, sagte das für die Beschaffung zuständige  Lufthansa-Vorstandsmitglied Grazia Vittadini der Nachrichtenagentur Reuters.

Viele Flughäfen sind zudem auf feste Lieferketten zugeschnitten. Wer sich auf Anlieferung per Bahn oder Schiff verlässt, kann nicht immer einfach auf LKW-Belieferung umsteigen.

Auf den Flügen nach Asien brauchen die Flugzeuge ohnehin schon mehr Kerosin, weil sie Russland umfliegen müssen – jetzt müssen sie auch noch die Golf-Region meiden – die Wege werden immer länger, der Spritbedarf immer größer. Für eine weltweite Krise dieser Art lassen sich kaum Vorkehrungen treffen, und im Vergleich zu den angeschlagenen asiatischen Fluglinien steht Lufthansa sogar einigermaßen gut da.

Aber es gibt ein großes Problem: Die Kernmarke des Konzerns „Lufthansa Classic“ steht wirtschaftliche eher schwach da, wofür die Konzernführung gerne auch die hohen Gehälter der Piloten verantwortlich macht. Diese wiederum kämpfen für eine bessere betriebliche Altersversorgung. Ein Entgegenkommen ist nicht in Sicht. Stattdessen verfolgt der Vorstand schon seit einiger Zeit eine andere Strategie: Er gründet immer neue Betriebseinheiten, deren Mitarbeiter oft zu günstigeren Konditionen angestellt werden als die Beschäftigten der Kernmarke. Über insgesamt 14 solcher Einheiten verfügt das Unternehmen mittlerweile.

Den Umgang mit den Gewerkschaften UFO und Vereinigung Cockpit (VC) scheint Konzernchef Carsten Spohr als überlebenswichtig für Lufthansa anzusehen. Das trägt nicht zum Betriebsfrieden bei und lässt schöne Geburtsbilder zum Hundertjährigen Jubiläum verblassen.

Wie verfahren die Lage ist, zeigt die jüngste Entwicklung: Am Tag nach der Geburtstagsfeier gab Lufthansa bekannt, die Betriebseinheit „Lufthansa Cityline“ schon an diesem Wochenende zu schließen. Die Begründung mit den gestiegenen Kerosinkosten überzeugt nicht alle: Cityline mit gerademal 27 Flugzeugen hätte zum Jahresende ohnehin geschlossen werden sollen.

Die gegenseitigen Eskalationen lassen nicht erwarten, dass die Arbeitskämpfe bei Lufthansa schnell aufhören werden. Auch wie die Passagiere  auf die neuen Unsicherheiten in der Welt reagieren werden, ist nicht absehbar. jwm

Quellen: Reuters, FAS, Lufthansa

 

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