Flightradar24 – Vom kleinen Start up zur weltweit erfolgreichsten Echtzeit-Flugradar-Seite der Welt

Flightradar24 coverage

Was 2006 als Hobby begann, hat sich zur erfolgreichsten Echtzeit-Flugradar– Seite der Welt entwickelt – mit mehr als 1,5 Millionen Nutzern täglich. Flightradar24 war nach dem Verschwinden der Egypt-Air-Maschine eine der ersten Anlaufstellen für Redaktionen aber auch für Flugsicherungsbehörden. Ein kleines Unternehmen aus Schweden, ein Start up, verbirgt sich dahinter. Es bildet Flugzeugdaten weltweit ab. 

Auf der Internetseite Flightradar24 ist die Flugroute bis zum Abbruch der Kommuni-kation nachgezeichnet. Sie endet abrupt über dem Mittelmeer zwischen Kreta, Zypern und dem ägyptischen Festland. Im Büro in der Stockholmer Innenstadt liefen die Telefone heiß. Redaktionen und einige Flugsicherungsbehörden wollten wissen, ob es Erkenntnisse zum Verschwinden des Airbus 320 über dem Mittelmeer gab. Es gab sie. Flightradar24 konnte schnell die letzte bekannte Position der Maschine und die Daten zu den letzten Minuten bis zum Verschwinden liefern. Das Start up in Stockholmer Innenstadt  wertet die eingehenden Daten von Flugzeugen weltweit aus. So auch Daten der am letzten Donnerstag über dem Mittelmeer verschwunde- nen Maschine.

Empfänger sammeln Rufzeichen, Position, Fluhöhe und Instrumentendaten auf Dächern, Masten und Hügeln

Flightradar24 hat sich binnen weniger Jahre zu der Informationsquelle entwickelt, wenn es um die aktuelle Position von Flugzeugen geht.

https://www.flightradar24.com/51,9/7

Mit Hilfe von mehr als 10 000 Smartphone-kleinen Empfängern, die weltweit von Flug-Begeisterten auf Dächern, Masten und Hügeln installiert wurden, wertet Flightradar24 Position, Höhe, Geschwindigkeit und viele weitere Daten von Flugzeu- gen aus. Was 2006 als Hobby begann, hat sich heute zu der erfolgreichsten Echtzeit-Flugradar-Seite auf der Welt entwickelt – mit mehr als 1,5 Millionen Nutzern täglich. Ob beim Verschwinden der Malaysia Airlines MH 370 im März 2014, dem Abschuss der MH 17 über der Ostukraine oder dem Absturz des Germanwings Airbus 4U9525 in den französischen Alpen: Es wird immer auch auf Daten des Stockholmer Start ups zurückgegriffen.

Die Idee zu Flightradar24 kam Mikael Robertsson und Olov Lindberg 2006. Damals betrieben sie eine Reise-Preisvergleichsseite und wollten mehr Leute auf ihre Seite locken. Dabei kamen sie auf die Idee, Ankunfts- und Abflugzeiten des Stockholmer Flughafens Arlanda auf ihrer Seite zu veröffentlichen. Sie bastelten sich zwei einfache ADS-B-Empfänger, die sie auf den Dächern ihrer Häuser im Norden und Süden der schwedischen Hauptstadt installierten und konnten in einem sehr kleinen Umfang – die Positionsdaten von Flugzeugen von und nach Stockholm empfangen. ADS-B (Automated Dependent Surveillance-B) ist ein System, das in immer mehr Flugzeugen installiert ist und das Rufzeichen, die Position, die Fluhöhe und einige Instrumentendaten sendet. Auch Abflug- und Ankunftsflughäfen werden übermittelt. Derzeit können die Fluggesellschaften noch selbst entscheiden, ob sie das System in ihren Maschinen installieren. Ab  2020 wird es obligatorisch. Bereits heute sind mehr als 80 Prozent der Flugzeuge in Europa damit ausgerüstet.

Überrascht vom eigenen Erfolg

Der Erfolg ihres Start ups überraschte Robertsson und Lindberg auch selbst, mehrfach brach am Anfang ihr Server wegen zu vieler Aufrufe zusammen. Schnell erkannten sie, dass die Zukunft in ihrem Flugradar-Konzept liegt und verkauften ihre Preisvergleichsseite. Über das Internet fanden sich schnell Interessierte, die den kleinen ADS-B-Empfänger bei sich zuhause installierten. Mittlerweile senden mehr als 10 000 ADS-B-Geräte weltweit die empfangenen Daten nach Stockholm, wo sie ausgewertet und in eine Karte eingespeist werden und es lässt sich schnell überprüfen, was über dem eigenen Standort los ist.

Die Datenbank von Flightradar24 umfasst 250 000 Flugzeuge und die Website des Unternehmens macht mit seiner Karte die ungeheure Masse des globalen Flugverkehrs für jedermann in Echtzeit sichtbar. Jeder Nutzer mit einem Computer oder Smartphone kann fast jeden kommerziellen Flug digital begleiten, oder einfach die Kamera in den Himmel halten, um szu sehen, wohin ein Flugzeug fliegt, woher es kommt, welchen Squawk (eingestellte Frequenz des Transponders) es hat.

Es gibt Seiten im Internet, die nach demselben Prinzip funktionieren, aber Flightradar24 hat seine größten Konkurrenten Flightaware und Flightstats in Bezug auf Nutzer und Kunden überflügelt. Flightstats war der erste ähnlich funktionierende Dienst im Internet.

Derzeit noch nicht möglich: Datensammlung über den Ozeanen

Mittlerweile stehen auch mehr Empfänger für Flightradar24 an Flughäfen in Entwicklungsländern. Eines bereitet den Machern weiter Kopfzerbrechen: die Ozeane. Bei guter Lage könne der Empfänger an der Küste noch 300 bis 400 Kilometer über dem Ozean abdecken, so Flightradar24-Erfinder Robertson. Mittlerweile sind für den Atlantik auch Empfänger auf Grönland stationiert, aber das genüge nicht. Die Ortsangaben über den großen Ozeanen würden nur geschätzt. Abhilfe könnte Empfänger auf Frachtschiffen schaffen. Auch darüber, Bojen ins Meer zu lassen, werde nachgedacht.

Robertsson und Lindberg wollen ihr System in jedem Fall weiter ausbauen. Auch Privatleute, die bereit sind, den Empfänger auf ihrem Dach, einem Mast oder einer anderen höheren Stelle zu installieren, bekommen das Gerät umsonst zugeschickt. Allerdings müssen sie sich verpflichten, das Gerät rund um die Uhr laufen zu lassen. Dafür erhalten sie Zugang zu den sonst kostenpflichtigen Premiumangeboten von Flightradar24. Trotz der Kosten für den ADS-B-Empfänger von rund 500 Euro arbeitet Flightradar24 mittlerweile mit Gewinn. Im vergangenen Jahr betrug er rund 20 Millionen Kronen (2,1 Millionen Euro). Der Gewinn stammt aus der kostenpflichtigen App für Smartphones, die bislang mehr als 30 Millionen Mal heruntergeladen wurde. Sie zählt zu den beliebtesten Apps weltweit. Kein Wunder, simuliert sie doch mittlerweile sogar den Blick aus dem Cockpit-Fenster beim Anflug einer Maschine auf einen Flugplatz. Die Positionsdaten werden in Google Maps integriert und liefern so eine virtuelle Landung. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass die App von Flightradar24 genauere und bessere Informationen zu Abflug- und Ankunftszeiten liefert als viele Angebote der Flughäfen.

Quellen: Reuters, Handelsblatt, FAZ

Ein Gedanke zu „Flightradar24 – Vom kleinen Start up zur weltweit erfolgreichsten Echtzeit-Flugradar-Seite der Welt“

  1. Ich persönlich nutze auch sehr oft das Flightradar. Ich finde es ist eins der besten Dienste aus dem Bereich Flugradar und Flugverfolgung. Als Alternativen kann ich noch Casperflights und RadarBox24 empfehlen. Die sind auch sehr sehr gut.

    Lieben Gruß
    David

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