Wo die Luftfahrt wächst

Startendes Flugzeug in München/Foto: Dr. Werner Hennies

Während das Luftfahrtwachstum in Europa in 2012 mit nur 1,5 Prozent sehr bescheiden war, wächst die Luftfahrt weltweit. Eine Prognose des Weltluftahrt-verbandes IATA für die nächsten drei Jahre zeigt, wo die Wachstumsmärkte der Zukunft liegen.

So etwa erwartet die IATA in Kasachstan ein Passagierzahlen-Wachstum von 20,3 Prozent und rangiert damit auf Platz 1. Welchen Wandel die ehemalige Sowjetrepublik seit ihrer Unabhängigkeit durchgemacht hat, sei am Bauboom in der Hauptstadt Astana zu sehen. Auch die Luftfahrtindustrie soll in den kommenden drei Jahren massiv ausgebaut werden. Auf dem zweiten Platz rangiert Usbekistan. Die ehemalige Sowjetrepublik im Süden Russlands wurde 2005 noch von Unruhen erschüttert. Mittlerweile habe sich die politische Situation etwas beruhigt. In den kommenden Jahren soll die Luftfahrtindustrie der dünn besiedelten Republik um 11,1 Prozent wachsen. Den dritten Platz belegt der Sudan. Unruhen und Kriege haben das Land in der Vergangenheit immer wieder ins Chaos gestürzt – nun soll alles anders werden. Insbesondere wegen seiner Rohstoffe werde die islamische Republik und ihre Haupstadt Kartun immer öfter angeflogen. Mit einem Wachstum von 9,2 Prozent wachse kein Land in Afrika stärker.

Auf Platz vier ist Uruguay. Nirgendwo in Südamerika wachse die Luftfahrt in den nächsten Jahren so stark wie in Uruguay – und das, obwohl die Staatsairline Pluna den Betrieb einstellen musste. Für ausländische Airlines bleibe das Land mit einem Zuwachs von neun Prozent ein lohnendes Ziel. Aserbaidschan folgt auf Platz fünf. Zum Eurovision Song Contest 2012 in Baku konnte das Land am Kaspischen Meer viele europäische Gäste begrüßen. Auch wirtschaftlich gesunde Aserbaidschan durch Rohstoffexporte. Die Luftfahrt soll in den nächsten drei Jahren um 8,9 Prozent wachsen. Auf Platz sechs liegt die Ukraine, wo das Wachstum auch nach der Fußball Europameisterschaft weitergehe – zumindest in der Luft. Mit 8,8 Prozent mehr Passagieren wachse die Luftfahrt nirgendwo in Europa stärker als in der Ex-Sowjetrepublik. Auf Platz 7 rangiert Kambodscha. Obwohl das Land sich langsam von den Folgen der Herrschaft der Roten Khmer erhole, seien die Umweltschäden immer noch kaum zu übersehen. Für Touristen werde das relativ günstige Reiseziel trotzdem immer interessanter. Die Zahl der Passagiere soll bis 2016 um 8,7 Prozent wachsen.
Chile folgt Kambodscha auf Platz 8. Auch der Luftverkehr in der Heimat der größten südamerikanischen Airline LAN soll deutlich zunehmen. 8,5 Prozent mehr Passagiere sollen bis 2016 transportiert werden. Panama liegt auf Platz 9. Das mittelamerikanische Land gilt als Brücke zwischen Pazifik und Atlantik und verbindet gleichzeitig Nord- und Südamerika. Bis 2016 soll die Zahl der Passagiere hier um 8,5 Prozent wachsen.
Auf Platz 10 ist Russland. Das flächenmäßig größte Land der Erde gewinnt für die Luftfahrtindustrie an Bedeutung. Von 2013 bis 2016 soll die Zahl der transportierten Passagiere um 8,4 Prozent steigen, prognostiziert die IATA. Damit belegt Russland unter den Industrieländern einen der Spitzenplätze.
(Quellen: IATA, Handelsblatt)

 

 

 

 

Neue Lärmschutzdebatte in Frankfurt

Um den Lärmschutz am Frankfurter Flughafen ist neuer Streit entbrannt. Die hessische SPD-Landtagsfraktion warf der schwarz-gelben Landesregierung am 23. Januar vor, beim Lärmschutz getrickst zu haben. Mit der sogenannten `Planklarstellung´ habe das Land künftigen Regierungen und der Region die rechtlichen Möglichkeiten für weitergehende Regelungen auf Landesebene genommen, erklärten der SPD-Fraktionsvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel und seine Stellvertreterin Nancy Faeser in Wiesbaden. Zu diesem Schluss komme ein von der SPD in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten.

Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) wies die Vorwürfe zurück. Das Gutachten bestätige, dass die aktuelle Landesregierung beim Schutz vor Fluglärm am Frankfurter Flughafen richtig handele. Die FDP betonte, die Landesregierung habe überhaupt erst eine Grundlage dafür geschaffen, dass wichtige Schritte wie das Nachflugverbot wirksam werden konnten. Den Grünen hingegen gehen die Forderungen der SPD nach einem verbesserten Lärmschutz für die Anwohner nicht weit genug.

Schäfer-Gümbel und Faeser forderten bei der Vorstellung des Gutachtens einen neuen Dialog über den Lärmschutz am Flughafen. Die SPD wolle sich mit Bürgerinitiativen, Kommunen, Fluggesellschaften und dem Flughafen selbst an einen Tisch setzen. Die vom Planfeststellungsbeschluss ermöglichte Lärmbelastung sei zu hoch, betonte Faeser. Schäfer-Gümbel sagte, die SPD wolle die strikte Einhaltung der Nachtruhe sichern und Ausnahmegenehmigungen strikt beschränken. Besonders laute Flugzeugtypen sollten gänzlich von Frankfurt ferngehalten werden. Für die betroffenen Gebäude müsse es passiven Lärmschutz geben.

Rentsch betonte, der von der SPD geforderte Dialog mit der Region werde längst geführt. Es gebe unter anderem die Fluglärmkommission und das Forum Flughafen. Die übrigen Vorschläge wie der Verbot besonders lärmintensiver Flugzeugtypen würden bereits erfüllt. Das Land habe mit der „Allianz für Lärmschutz“  ein umfangreiches Maßnahmenpaket geschnürt, um alles zu tun, damit es für die Menschen rund um den Flughafen spürbar leiser werde. Dazu zähle unter anderem ein Paket im Umfang von 335 Millionen Euro für passiven Schallschutz.

Die rot-grüne Landesregierung von Rheinland-Pfalz will den Schutz vor Fluglärm auf Bundesebene vorantreiben. Das Ziel sei ein systematischer Schutz bei der Festlegung von Flugrouten und von Start- und Landeverfahren, sagte Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) am 22. Januar  in Mainz laut einer Mitteilung. Rheinland-Pfalz hatte sich zuvor in der Länderkammer dafür eingesetzt, dass der Kampf gegen Lärm Vorrang vor den Interessen von Wirtschaft und Verkehr haben soll. Höfken unterstützt nach eigenen Angaben die Forderung des Umweltbundesamts nach einem Nachtflugverbot für stadtnahe Flughäfen. Am Hunsrück-Airport Hahn sind Nachtflüge nicht verboten. Die Grünen fordern generell bundesweit ein Tabu für Flüge in der Nacht..
Quellen: dapd, dpa

Europäische Luftfahrt – sicherste der Welt

Mit der geplanten Neuregelung der Flugdienstzeiten durch die EU werde noch einmal verschärft, was auch vorher schon ein Spitzenstandard war:  Für Europas Piloten gelten in Zukunft noch begrenztere Flugdienstzeiten und noch ausgedehntere Ruhezeiten. Damit bleibe die europäische Luftfahrt die sicherste der Welt, betonte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) Klaus-Peter Siegloch am 22. Januar in Berlin.„Die Luftfahrt unterstützt die strenge Neuregelung der Flug- und Ruhezeiten für Piloten, die die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) als zuständige neutrale europäische Behörde vorsieht. Sicherheit ist für uns immer das oberste Gebot, denn wir tragen gemeinsam mit unseren Piloten die hohe Verantwortung für unsere Passagiere und Crews“, so der BDL-Präsident.

Gemäß der Neuregelungen gilt in Zukunft zum Beispiel bereits für Flugeinsätze ab 17 Uhr  – und nicht mehr wie zuvor ab 19 Uhr – die Nachtdienstregelung von maximal 11 Stunden Flugdienstzeit. Ebenfalls begrenzt wurden die maximalen Dienstzeiten pro Monat. Klar vorgeschrieben sind auch die Mindestruhezeiten zwischen den Diensteinsätzen.
„Im Durchschnitt fliegen die Piloten rund 660 Stunden im Jahr – rein kalkulatorisch sind das 83 mal acht  Stunden. Das zeige, wie  deutlich die  Dienstzeiten unserer Piloten und Pilotinnen darauf ausgerichtet sind, dass sie sich zwischen ihren Flügen auch erholen können“, sagte Siegloch. (jwm)

Boeing stoppt Dreamliner-Auslieferung

Der US-Flugzeugbauer Boeing stoppt die Auslieferung weiterer Maschinen des Typs 787 „Dreamliner“. Laut Boeing-Sprecher Marc Birtel gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg, würde die Produktion des Langstreckenjets aber fortgesetzt.
Behörden in den USA, Europa und anderen Ländern haben das Flugzeug wegen Problemen mit den neuartigen Batterien aus dem Verkehr gezogen.
Boeing werde erst wieder Maschinen ausliefern, wenn die US-Flugaufsichtsbehörde FAA, die den  „Dreamliner“ am 18. Januar in den USA aus dem Verkehr gezogen hatte, wieder Flugtauglichkeit bescheinige.
Auslöser für das behördlich verhängte Flugverbot ist die Notlandung eines „Dreamliners“ in Japan, in dem eine Batterie geschmort hatte. Es war das erste Mal seit 34 Jahren, dass die FAA ein Flugverbot für alle Maschinen eines Typs verhängt hat. Die Aufseher in Japan, Europa, Indien, Katar und Chile schlossen sich an.
Die japanischen Gesellschaften All Nippon Airways (ANA) und Japan Airlines (JAL) hatten bereits am 16. Januar,  kurz nach der Notlandung der ANA-Maschine im japanischen Takamatsu, vorerst alle Flüge mit dem „Dreamliner“ ausgesetzt.
Die einzige europäische Airline mit dem „Dreamliner“ in ihrer Flotte, die polnische LOT, prüft möglichen Schadenersatz wegen des Flugverbots für den Langstreckenjet.
Boeing bedauerte die Ereignisse, steht aber weiterhin zu seinem jüngsten Flugzeugmodell. „Wir sind überzeugt, dass die 787 sicher ist“, sagte Boeing-Chef Jim McNerney. Das Unternehmen arbeite mit der FAA und anderen Behörden daran, so schnell wie möglich Antworten auf die drängenden Fragen zu finden.
Bereits in der Vorwoche hatte eine Batterie eines am Boden stehenden „Dreamliners“ der JAL Feuer gefangen, außerdem verlor ein Flugzeug vor dem Start rund 150 Liter Treibstoff. Zudem gab es eine Störung des Bremscomputers an einem ANA-Jet, einem Ölleck und einem Spinnennetz-förmigen Riss in einem Cockpit-Fenster.
Den beiden japanischen Gesellschaften JAL und ANA gehören mit 24 Maschinen fast die Hälfte der bisher 50 ausgelieferten „Dreamliner“-Jets. Auch die übrigen Betreiber United Airlines, Air India, LAN Airlines, Qatar Airways, Ethiopian Airlines und die polnische LOT lassen ihre Maschinen inzwischen am Boden.
In Deutschland hat bislang keine einzige Fluggesellschaft den `Dreamliner´ in der Flotte. Air Berlin hat aber 15 Stück bestellt, die 2015 ausgeliefert werden sollen. Tui Travel will 13 Maschinen abnehmen. Diese sollen aber nicht bei der deutschen Tochter Tuifly, sondern in Großbritannien und anderen europäischen Nachbarländern eingesetzt werden. Insgesamt liegen Boeing mehr als 800 Bestellungen für die jeweils etwa 200 Millionen Dollar teuren Flieger vor.
Quellen: Boeing, Fokus online, Bloomberg

„Vier bringen Sie weiter“

Die deutsche Luftfahrtindustrie hat eine großangelegte Werbekampagne zu ihrem gesunkenen Energieverbrauch gestartet. Sie soll auf den durchschnittlichen Verbrauch von unter vier Litern (3,92) pro Passagier auf 100 Flugkilometer hinweisen.
Diesen richtigen Wert hatten gerade einmal 14 Prozent der Befragten bei einer repräsentativen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen genannt, während die große Mehrheit den Energieverbrauch beim Fliegen um ein Zehnfaches überschätzte, berichtete BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch. Die am 14. Januar  in Frankfurt vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL)  gestartete Informations-Kampagne «Vier bringen Sie weiter» soll nun auf den durchschnittlichen Treibstoffverbrauch von unter vier Litern pro Passagier auf 100 Flugkilometer aufmerksam machen.
Die neue Werbekampagne ist die erste gemeinsame aller deutschen Flughäfen und Luftfahrtgesellschaften. Geplant sind 900 Plakate auf den Flughäfen, ein Videospot, der auch im Bordprogramm der Airlines laufen soll, das Auslegen von 600 000 Flyern sowie Anzeigen und Onlinebanner.

Die Flugzeuge  der im Verband organisierten deutschen Fluggesellschaften verbrauchten im Jahr 2011 durchschnittlich 3,92 Liter Kerosin pro 100 Passagierkilometer. Der Treibstoffverbrauch pro Passagier liegt heute 37 Prozent niedriger als 1990, ohne dass es dazu Vorschriften oder Auflagen gebraucht hätte, so  Siegloch. Man strebe nun den 3-Liter-Verbrauch an.

Neben effizienteren Flugzeugen sorgt auch ihre höhere Auslastung und neue Flugverfahren für die Verbesserung, wie Lufthansa-Chef Christoph Franz erläuterte. Bei den Netzwerkgesellschaften liege die Auslastung um die 80 Prozent bei den Charterfliegern lüber 90 Prozent. Auf kurzen Flügen ist der Verbrauch höher als auf der Langstrecke.

Externer Link: www.die-vier-liter-flieger.de

 

 

Lufthansa und Air Berlin fordern Verbesserungen in Berlin-Tegel

Nach dem erneut geplatztem Starttermin für den Hauptstadt-Flughafen BER
fordern Lufthansa und Air Berlin eine Ertüchtigung des alten Flughafens Berlin-Tegel.
„In Tegel muss investiert werden, um einen vernünftigen Service für Fluggäste zu gewährleisten“, sagte ein Lufthansa-Sprecher am 8. Januar in Berlin. Aufgrund der verschobenen Eröffnung des BER-Airports müsse Tegel nun „für mehrere Flugplanperioden den Löwenanteil des Flugverkehrs in der Hauptstadt tragen“.
Auch Air Berlin forderte von der Berliner Flughafengesellschaft Nachbesserungen in Tegel. Es bedürfe Anstrengungen seitens des Flughafenbetreibers, „um dort einen noch besseren Standard zu erreichen“, erklärte Air Berlin.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte am 7. Januar  bestätigt, dass der 27. Oktober 2013 als Eröffnungstermin des künftigen Berliner Single Airports nicht eingehalten werden kann. Zuvor wurde die Eröffnung schon drei Mal verschoben.
Air Berlin hatte im November wegen der mehrfachen Verschiebung des Eröffnungstermins eine Feststellungsklage gegen die Betreibergesellschaft eingereicht. Damals bezifferte die Airline den bis dahin entstandenen Schaden auf einen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe.
Bei der Lufthansa fiel bislang noch keine Entscheidung über eine mögliche Schadenersatzklage. „Dass Schäden entstehen, ist völlig klar; diese werden nun aufgelistet“, sagte der Lufthansa-Sprecher. „Zu gegebener Zeit wird der Flughafengesellschaft eine Rechnung präsentiert“. Ob es letztlich zu einer Klage der Lufthansa komme, werde aber erst „zu gegebener Zeit entschieden“. Die Mitglieder des Airline-Verbands BARIG hatten ebenfalls angekündigt, mögliche Schadenersatzforderung zu prüfen.
Die Deutsche Bahn bereitet ebenfalls Schadenersatzforderungen vor. Der Konzern habe „durch die wiederholten Verschiebungen der Inbetriebnahme des Flughafens finanzielle Einbußen in Millionenhöhe zu verzeichnen“, erklärte ein Konzernsprecher. Derzeit jedoch sei es „noch nicht möglich“ die Einbußen zu beziffern. Dies gelte „auch für die konkrete Höhe der Schadensersatzansprüche gegen die Flughafengesellschaft“, so der Bahn-Sprecher.

Quelle: AFP, dpa-AFX

Immer mehr Gegenwind für europäische Netzwerk Carrier

Europas Fluggesellschaften bläst ein immer schärferer Wind um die Nase. Wach-sende Konkurrenz und stagnierende Nachfrage zwingen die Airlines zu neuen Konzepten und rigiden Sparprogrammen. Für 2013 erwartet der Weltluftfahrtver-band  IATA kaum Besserung.

Europas Luftverkehr gerät in der Luftverkehrswelt immer mehr ins Hintertreffen. Weltweit verdienten Fluggesellschaften gutes Geld, nur in Europa nicht, klagt der Weltluftfahrtver-band IATA. Auch 2013 dürfte die Branche in Europa wie im abgelaufenen Jahr mit knapper Not die Gewinnschwelle erreichen, schätzt IATA-Chef Tony Tyler.

Ausnahmen blieben weiterhin ausgesprochene Billigflieger wie Ryanair und EasyJet, die den Netzwerk Carriern auf ihren  Heimatmärkten heftig Konkurrenz machen. Mit herben Einschnitten und neuen Ideen versuchen diese, der Konkurrenz aus Billigfliegern, asiatischen Carriern und Golf-Airlines zu trotzen. Für die Mitarbeiter bedeutet das vor allem herbe Einschnitte, denn  Tausende Stellen stehen bei den Airlines auf der Streichliste. Der harte Konkurrenzkampf raffte 2012  mehrere Gesellschaften dahin. Spanair, die ungarische Malev und die deutsche Cirrus zeigten die Insolvenz an. Kurz vor Weihnachten rief der polnische Lufthansa-Partner LOT nach Staatshilfe. Die skandi-navische SAS hofft mit Stellenabbau, Gehaltsverzicht und Stellenabbau das Schlimmste zu verhindern. Langfristig dürfte das kaum reichen: „SAS muss die Kosten um 50 Prozent senken, wenn sie so billig sein wollen wie wir“, stichelte Bjørn Kjos vom erfolgreichen Konkurrenten Norwegian.

Bei Lufthansa hat Vorstandschef Christoph Franz ein hartes Sparprogramm auf den Weg gebracht, das jährlich 1,5 Milliarden Euro einbringen soll. Mit der Verlagerung der europä-ischen Punkt-zu-Punkt-Verkehre auf die Tochter Germanwings soll 2013 größeren Verlus-ten gegengesteuert werden. Stärker noch als der große Konkurrent aus Frankfurt hat Air Berlin den Flugplan ausgedünnt. Nach jahrelangen Verlusten ist für 2012 sogar ein Gewinn anvisiert, allerdings nur mit Hilfe des arabischen Großaktionärs Etihad, der die Mehrheit am Vielfliegerprogramm übernimmt.

Angesichts des Konkurrenzdrucks erwartet IATA-Chef Tyler auch weitere Übernahmen unter Europas Fluglinien. Doch die Zeichen stehen nicht gut, da die großen Drei Lufthansa, Air France/KLM und IAG mit British Airways und Iberia selbst genug mit den eigenen Problemen zu tun haben. So wollen allein die Franzosen 5000 Stellen streichen. Auch in Spanien stehen 4500 Jobs auf der Kippe. Schon für die Privatisierung der portugiesischen TAP fand sich in Europa kein ernsthafter Interessent. In die Bresche könnten die finanzstarken Airlines vom Arabischen Golf springen, die weiterhin in Europa mehr Publikum suchen, um ihre schnell wachsenden Drehkreuze in Dubai, Katar oder Abu Dhabi besser auszulasten.

Weltweit rechnet IATA.-Chef Tyler für die Branche im kommenden Jahr mit einem Gewinn von 8,4 Milliarden US-Dollar –  1,7 Milliarden mehr als im Vorjahr. Bei einem Umsatz von rund 650 Milliarden Dollar ist das aber gerade mal gut ein Prozent vom Umsatz. Zu viel zum Sterben, zu wenig zum Überleben. „Wir bräuchten eine Gewinnspanne von sieben bis acht Prozent, um die Kapitalkosten zu verdienen“, sagt der Tyler. Doch viele Gesellschaften schreiben seit Jahren rote Zahlen. „Die einfachste Art, Millionär zu werden: Als Milliardär anfangen und eine Airline gründen“, fasste der britische Unternehmer und -Virgin-Chef Richard Branson einmal seine Erfahrungen zusammen.

Quelle: IATA, dpa