Carsten Spohr und BMW-Vorstand Klaus Fröhlich auf iNext-Promotion-Tour

Präsentiert wurde die Studie nicht auf einer Messe, sondern in einem Frachtjet, der mit dem Schaustück einmal um die Welt geflogen ist/Foto: BMW

München, New York, San Francisco, Peking: Lufthansa Konzernchef Carsten Spohr und BMW-Vorstand Klaus Fröhlich auf weltweiter Promotiontour für das  neueste Modell von BMW, (Codewort: BMW iNext) das elektrisch fährt, ohne menschliches Zutun, das redet und fühlt, wenn man es streichelt. Fröhlich hat alles reingepackt, wozu seine Entwickler in der Lage sind.

Lufthansa hat sogar die Buchstaben „BMW iNext“ auf das Heck ihres Frachtflugzeuges, die Boeing 777F geklebt. Für Spohr war es eine Premiere: ein Flugzeug als fliegende Bühne für eine Produktvorstellung. In fünf Tagen wurden vier Metropolen angeflogen, um für das neue selbstfahrende Auto zu werben. 30 Tonnen Material hat BMW-Manager Fröhlich dafür verbauen und 7,5 km Kabel verlegen lassen. Fröhlich (58), ein Mann, der sein gesamtes Berufsleben in den Bayerischen Motorenwerken verbrachte die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ als Ehrentitel begreift, hat 15 Mal in den fünf Tagen seine Show im Rumpf der Lufthansa Cargo Maschine abgezogen. Er hat 300 Gäste im Laufe der Woche willkommen geheißen, BMW als Anführer der technischen Revolution gepriesen, das neue Modell gelobt und gerühmt. Kein Knopf, kein Hebel, die Technik wird nur sichtbar, wenn man sie braucht. Man kommuniziert mit dem Auto über Finger, Gesten und verbale Befehle.2021 werde das selbstfahrende Gefährt eingeführt. Der Termin sei fix, Dingolfing als Produktionsort festgelegt. 

Die schönen Pläne haben nur einen Haken: Der Gesetzgeber in Deutschland muss bis dahin auch so weit sein. Der Blick über die Grenzen werde der Politik schon Beine machen, hofft er, wenn die Deutschen erst mal sehen, wie weit China und Amerika auf diesem Gebiet schon sind. An ihm, an der Technik, werde es jedenfalls nicht scheitern. Er habe heute schon fertige Systeme im Baukasten, wo der Fahrer auf der Autobahn das Steuer loslassen kann. In Amerika sei das erlaubt, in China auch, nur nicht in Europa. Hier müssen die Fahrer alle 30 Sekunden ans Lenkrad fassen.

Keine Angst vor der Konkurrenz aus Silicon Valley

In New York sagte er, BMW teste nicht am Kunden. 90 bis 95 Prozent teste man virtuell im Datencenter. In San Francisco ließ er seine Gäste wissen, dass BMW sich vorgenommen habe, keine Angst vor der Konkurrenz aus Silicon Valley zu haben. Er könne keine Vorteile von irgend welchen Wettbewerbern erkennen, sagte Fröhlich, der vor 15 Jahren, damals als Konzernstratege, das E-Zeitalter in München mit eingeläutet hat. Den Namen Tesla nahm er erst gar nicht in den Mund, auch wenn er sich jedes Modell der Marke anschafft und es mit seinen Technikern in Einzelteile zerlegt.  Erkenntnis bisher: Man könne es besser.

Der BMW iNext werde sich im Preisband zwischen 70 000 und 130 000 Euro bewegen. Peking, das nächste Ziel für die Promotiontour war Pflicht, denn die Volksrepublik wird mutmaßlich Leitmarkt für selbstfahrende Autos. Hier sei das Geld und der politische Wille und vor allem viele Menschen. China werde ein Hauptmarkt für den iNext und man habe die Technik entsprechend programmiert. Der iNext verstehe Chinesisch und spreche es auch. Der digitale Assistent wisse, was am Abend im Theater oder im Fußballstadion gespielt wird, er reserviere Plätze im Restaurant. Vor allem aber wolle Fröhlich große Stückzahlen für sein Wunderauto. Es werde kein Nischenauto.

Zurück in Deutschland sorgt sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr gemeinsam mit BMW-Chef Harald Krüger um das Ansehen des Landes. Die Ausschreitungen in Chemnitz „sind  Bilder aus Deutschland, die man überhaupt nicht sehen möchte“ so Krüger gegenüber der Welt am Sonntag. Spohr sagte der Zeitung: „Dieses Land muss ein Land bleiben, mit dem man positive Bilder verbindet.“ Die Lufthansa stehe für „internationale Beziehungen, Offenheit und Verständigung über Grenzen hinweg.“
Im Gespräch mit Welt am Sonntag erklärten Spohr und Krüger auch, dass sie nicht in das künftige Geschäft mit Flugtaxis einsteigen wollen. „BMW kommt zwar ursprünglich aus dem Flugmotorenbau, aber wir werden kein eigenes Flugtaxi auf den Markt bringen“, sagte der BMW-Chef. Auch der Chef der Lufthansa meinte: „Flugtaxis von Lufthansa wird es nicht geben.“ „Es wird noch viele Jahre dauern, bis diese Technologie so sicher ist, wie das Fliegen mit der Lufthansa heute schon“, sagte er

Quellen: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Welt am Sonntag

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