Europas Luftfahrtgeschäftsmodelle auf dem Prüfstand

Touristik, Lowcost, Regionalflug – alle wollen wachsen. Podiumsdiskussion in Frankfurt ( von links: Moderator Timo Kotowski/FAZ, Roland Keppler, Oliver Wagner und JochenSchadt)/Foto: Messe Frankfurt

Deutschlands und Europas Luftfahrt Geschäftsmodelle stehen nach den Insolvenzen von Air Berlin, Monarch Air und Alitalia auf dem Prüfstand. Nach Expertenmeinung werden weitere Insolvenzen folgen, denn die Konsolidierung in Europa ist voll im Gange. Heftig wurde in Frankfurt Ende November beim diesjährigen Aviation Symposium darüber diskutiert und Modelle vorgestellt.

Für Eurowings-Vertriebschef und CCO Oliver Wagner ist Lowcost nach wie vor einer der Haupttrends, vor allem im kontinentalen Punkt zu Punkt-Verkehr. Für Wagner war es nur logisch, dass Lufthansa bereits im Jahr 2012 damit begann, die dezentralen Verkehre auf Germanwings zu übertragen und die Airline entsprechend auszubauen, von 32 auf mittlerweile 110 Flugzeuge. Beim Aufbau von Eurowings im Jahr 2014 sei von Anfang an klar gewesen, dass das Unternehmen so konzipiert werden muss, dass weitere Airlines integriert werden können. Deshalb habe man sie als ,Eurowings  Aviation GmbH´ mit Sitz in Köln aufgestellt, die mehrere Flugbetriebe zentral operativ und administrativ von Köln aus steuert. Derzeit sind das die Flugbetriebe von Germanwings,  Eurowings Deutschland,  Eurowings Europa und SunExpress mit Langstrecke (Wet Lease) sowie  – vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden – NIKI und LGW. Zudem wolle man in Zukunft weitere Flugbetriebe integrieren.

Wir glauben an die Konsolidierung

Wagner: „Wir glauben an die Konsolidierung, wollen Treiber sein und sind auf alles vorbereitet, was passiert.“  Es werde zu weiterer Konsolidierung kommen, die Insolvenzen von Monarch Air, Air Berlin und Alitalia zeigten das ganz deutlich. Wagner ist überzeugt davon, dass das ,Geschäftsmodell Eurowings´ funktioniert, alles natürlich unter dem Vorhalt der Entscheidung der Kartellbehörde. Es seien alle Voraussetzungen dafür geschaffen, auf der operativen, technischen und finanziellen Seite. Der Umsatz sei dieses Jahr um ein Drittel gestiegen. Man warte jetzt, wie Brüssel entscheidet. Zur  aktuellen Aufregung um die Ticketpreiserhöhung meint der Eurowings-Vetriebschef: „Ich gehe von stabilen Preisen in den nächsten Monaten aus und nicht von steigenden.“ Der Wettbewerb werde weiter zunehmen, in der Touristik werde es Zuwächse geben und EasyJet werde nach Deutschland kommen.

Interessante Lücke

Jochen Schadt, CCO bmiRegional, sieht gute Chancen für die Nische ,Regionalflug´, weil sich Netzwerk Carrier immer mehr auf ihre Hubs konzentrierten und die Lowcost-Airlines sich den Netzwerk Carriern angleichten, was größeres Fluggerät und Basistarife mit Zukaufmöglichkeit bedeute. Genau hier entstehe eine interessante Lücke für das Regionalflugmodell. Kunden wollten lieber eine Vereinfachung bei der Buchung, so Schadt.  Zu beobachten sei zudem das ,2nCity-Syndrom´. Außerhalb der Metropolen gebe es immer mehr Vernetzung zwischen den Regionen. bmiRegional arbeitet hier verstärkt mit Universitäten und Wirtschaftskammern zusammen und versucht gemeinsam mit Air Dolomiti oder Lufthansa Synergie-Effekte zu erzielen. Das Geschäftsmodell Regionalflugverkehr bedient das Bedürfnis  nach Regionalisierung in der globalisierten Welt. Es werde, so Schadt,  weiter wachsen.

Wunsch nach Urlaub ungebrochen

Tuifly-Chef Roland Keppler sieht den Wunsch der Menschen nach Urlaub ungebrochen und sein Geschäftsmodell ,Hotel plus Flug´ weiter wachsen. Kunden wollten individuell durch das gesamte Reiseerlebnis geführt werden, von der Buchung bis ins Hotel. Genau darin liege die Zukunft von Tuifly. Die Umsätze von Tui Europe und tuiFly seien im letzten Geschäftsjahr um 15 Prozent gestiegen. Entscheidend  sei es, handlungsfähig und flexibel zu bleiben. Dass jetzt ganz viele ihre Chancen wittern wisse er auch, er aber habe den größten Touristikkonzern Deutschlands und Europas mit im Boot. Natürlich könne man manche touristische Ziele mit Linienflügen erreichen, Mallorca etwa, aber die Kapverden zum Beispiel nicht. Die Umbruchsituation heiße für Tuifly Kapazitäten, die Air Berlin geflogen wurden, wieder unter eigenem Risiko zu fliegen. Keppler: „Wir sind gut unterwegs und uns ist nicht bange vor dem was kommt.“

Johanna Wenninger-Muhr

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