Emirates hat derzeit Probleme mit dem Amerika-Geschäft

Zahlreiche USA-Flüge gestrichen- Emirates Airbus A380/Foto: Emirates

Die Fluggesellschaft Emirates beklagt einen Rückgang von Passagieren in die Vereinigten Staaten und streicht zahlreiche Flüge zwischen Dubai und Amerika. Emirates spricht von einer „wirtschaftlichen Entscheidung als Reaktion auf eine schwächere Nachfrage“. Was ist der Grund?

Für April bis November 2016 hatte Emirates gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen Gewinneinbruch um 75 Prozent auf 214 Millionen Dollar gemeldet. Die vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump vorangetriebenen Einreisebeschrän-kungen für Bürger mehrerer vorwiegend islamischer Länder sowie das Verbot auf zahlreichen Strecken, elektronische Geräte wie Notebooks und Tabletcomputer mit in die Flugzeugkabine zu nehmen, dürften

das Amerika-Geschäft zusätzlich erschwert haben. In den vergangenen drei Monaten habe man einen signifikanten Rückgang bei Buchungen in die Vereinigten Staaten verzeichnet, teilte Emirates mit.

Amerikanische Airlines werfen den Konkurrenten vom Persischen Golf vor, mit Subventionen unfairen Wettbewerb zu betreiben. Diese konterten, dass ohne staatliche Hilfe amerikanische Gesellschaften in Insolvenzen untergegangen wären. Emirates hatte vergeblich gefordert, das Notebook-Verbot auf alle Linien anzuwenden, sofern ein Sicherheitsrisiko tatsächlich bestehe. Zudem bemühte sich Emirates, die Folgen für Geschäftsreisende, die Flüge zum Arbeiten nutzen, gering zu halten. Ihnen wurde gestattet, Notebooks erst unmittelbar von dem Einstieg ins Flugzeug aufzugeben, für die Flugzeit wurden geprüfte Leihgeräte ausgegeben. Dies verhinderte aber nicht die Buchungsrückgänge. Nach Los Angeles, Boston und Seattle will Emirates im Sommer nur noch einmal statt zweimal täglich fliegen. Auch die Zahl der Flüge nach Orlando und Fort Lauderdale wird verringert. Von der Gesellschaft Etihad aus Abu Dhabi sind indes keine Angebotskürzungen bekannt.

Starker Gegenwind für führende Anbieter aus der Golfregion aus den USA

Lange galten die Fluggesellschaften vom Persischen Golf als die Angstgegner. Vor allem deshalb, weil sie ausschließlich auf den lukrativsten Fernrouten der Welt expandierten und stets aus den vollen Kassen ihrer staatlichen Eigentümer schöpfen konnten. Inzwischen ist vom Höhenflug von Emirates, Qatar Airways oder Etihad Airways weniger die Rede. Die führenden Anbieter aus der Golfregion sind vor allem mit Gegenwind aus den Vereinigten Staaten konfrontiert. Dort reichen die aktuellen Widerstände von Vorwürfen wegen staatlicher Subventionen der Gesellschaften bis hin zu Einreiseverboten für Passagiere aus ausgewählten islamischen Ländern. Allein bei Emirates sank im Nachgang solcher Hauruckaktionen die Zahl der Neubuchungen für Amerika-Flüge um gut ein Drittel. Als Emirates-Chef Tim Clark im vergangenen Jahr gefragt wurde, welche Folgen er befürchte, falls Donald Trump wirklich US-Präsident werde, gab er sich betont entspannt. „Am Ende des Tages ist Donald Trump ein Geschäftsmann“, sagte Clark. Er werde schon erkennen, wie gut die vielen Emirates-Flüge in die USA der amerikanischen Wirtschaft täten.

Lag Emirates-Chef Tim Clark mit seiner Einschätzung in Sachen Trump daneben?

Clark gilt in der Branche als Visionär, er ist der Architekt, der Emirates zur größten internationalen Fluggesellschaft gemacht hat. Er hat also in seinem Berufsleben ziemlich viel richtig eingeschätzt. Doch nun müssen er und Emirates schmerzlich erfahren, dass er in Sachen Trump daneben lag. Denn wegen drastischer Entscheidungen der US-Regierung sieht sich Emirates gezwungen, die Flüge in die USA deutlich zu reduzieren: Ein Viertel der Verbindungen wird aus dem Flugplan gestrichen, die Nachfrage ist eingebrochen. Einreiseverbote für Reisende aus mehreren vorwiegend muslimischen Ländern hatten bei Emirates zwischenzeitlich zu einem Buchungsrückgang von 35 Prozent geführt. Sie sind zwar vorerst von amerikanischen Gerichten gestoppt worden, doch sind die Auswirkungen des sogenannten E-Ban offenbar immens.

Europäische Airlines, etwa Lufthansa, die lachenden Dritten?

Seit Ende März dürfen Reisende auf Direktflügen in die USA von acht Flughäfen im Nahen Osten – darunter Istanbul, Doha, Dubai und Abu Dhabi – wegen angeblicher Sicherheitsbedenken keine Laptops oder Tablet-Computer mehr in die Kabine nehmen, sondern müssen diese beim Einsteigen abgeben. Zwar stellen Emirates, Qatar Airways und Etihad ihren Passagieren in der First und Business Class mittlerweile kostenlos Tablet-Computer zur Verfügung. Jedoch hilft das nur zum Teil: Viele Technologie-Unternehmen, Banken oder Konzerne in der Verteidigungsindustrie erlauben ihren Mitarbeitern gar nicht, die Computer abzugeben. Viele Geschäftsreisende weichen nun auf Umsteigeverbindungen in Europa aus, für die die Restriktionen nicht gelten. Analysten gehen davon aus, dass es zu einer permanenten Verlagerung weg von den Golf-Airlines kommen könnte, von denen vor allem europäische Anbieter wie die Lufthansa profitieren könnten.

Quelle: Handelsblatt

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