Terroranschläge und die Unsicherheiten in der Türkei setzen Europas Airlines zu

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Schwierige Zeiten für Europas Airlines/Foto: picture alliance

Anschläge wie der eines mutmaßlich von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) angestachelten Mannes, der in einem Regionalzug bei Würzburg mit einer Axt auf Touristen aus Hongkong losgegangen ist, dürfte weitere Folgen haben: Urlauber aus Asien oder den USA könnten sich zweimal überlegen, ob sie in nächster Zeit nach Europa reisen wollen. Es sei „unwahrscheinlich, dass sich die Nachfrage nach Flügen erholt“, so Gerald Khoo, Analyst der Liberium-Investment Bank.

Aufgrund der wiederholten Terroranschläge in Europa haben etwa laut Lufthansa die Vorausbuchungen vor allem auf den Langstreckenverbindungen nach Europa „deutlich nachgelassen“. Eine vollständige Aufholentwicklung halte der Vorstand aus heutiger Sicht für nicht mehr wahrscheinlich, wird weiter mitgeteilt. Das Management erwartet außerdem einen zunehmenden Preisdruck. Lufthansa rechnet damit, dass die durchschnittlichen Erlöse pro Passagier im zweiten Halbjahr um acht bis neun Prozent sinken werden – die Ticketpreise also deutlich fallen werden. Für Khoo ist das gar ein „furchtbarer“ Rückgang.

Die Prognose gilt für die Flugge-sellschaften der sogenannten Passage Airline Gruppe, zu der neben Lufthansa selbst auch die Tochtergesellschaften Austrian, Swiss und Eurowings gehören. Der Lufthansa-Vorstand rechnet nicht mehr damit, dass die fehlenden Buchungen für die Langstrecken später noch einmal aufgeholt werden können, jedenfalls nicht mehr rechtzeitig, um das Ergebnis in diesem Jahr zu retten. Lufthansa fährt deshalb das geplante Kapazitätswachstum von knapp sechs Prozent auf 5,4 Prozent zurück.

Tagesthema am 21. Juli an der Börse war ein Kursrutsch der Lufthansa-Aktien, die mit einem Abschlag von 5,6 Prozent größter Verlierer im Dax waren. Lufthansa hatte deshalb am Vorabend eine Gewinnwarnung verschickt. Zum dritten Mal in seiner erst zweijährigen Amtszeit musste Spohr per ad-hoc-Mitteilung eine Gewinnwarnung veröffentlichen: Lufthansa wird im laufenden Jahr weniger Gewinn erzielen als 2015.

Verheerende Entwicklungen?

Mit ihrer Warnung liegt Lufthansa voll im Trend. „Aus unserer Sicht ist dies das schwierigste Umfeld für Fluggesellschaften in einer langen Zeit“, sagte die Chefin der Lowcost-Airline Easyjet, Carolyn McCall, am 21. Juli. Der Absturz eines Egyptair-Airbus, Terroranschläge in Paris, Brüssel, Nizza, Istanbul und Ankara, anhaltende Streiks der Fluglotsen in Frankreich, Großbritanniens Brexit-Entscheidung, Währungsschwankungen und nun auch noch der gescheiterte Militärputsch im bislang beliebten Urlaubsland Türkei – nicht nur, aber auch für das Geschäft der Fluggesellschaften seien das verheerende Entwicklungen.

Neben Lufthansa und Easyjet haben inzwischen auch und die British Airways-Mutter-gesellschaft International Airlines Group (IAG)  vor niedrigeren Gewinnen gewarnt. Air France-KLM hatte schon im Mai auf „ein hohes Maß an Unsicherheit“ hingewiesen, das auf die Preise drücke und Vorhersagen erschwere. Auch andere haben bereits reagiert. Delta Air Lines wird die Kapazität zwischen den USA und Großbritannien um vier Prozent reduzieren. Auch Virgin Atlantic, nach British Airways die zweitgrößte britische Langstreckenfluggesellschaft, will offenbar ähnliche Schritte beschließen. Die Probleme betreffen aber nicht nur die Lang- strecke. „Währungsschwankungen als Folge der Entscheidung, die Europäische Union zu verlassen, sowie die jüngsten Ereignisse in Nizza und der Türkei beeinträchtigen weiterhin das Vertrauen der Kunden“, sagt Easyjet-Chefin McCall. Es sei schwer vorauszusagen, wie sich die Nachfrage entwickeln werde.

Putschversuch in der Türkei führte zur Senkung der Kapaziäten deutschen Fluggesellschaften um ein Drittel

Schon vor dem Putschversuch in der vergangenen Woche hatten die deutschen Fluggesellschaften ihre Kapazität in die Türkei um ein Drittel gesenkt. Doch die Eskalation der politischen Lage inklusive dem am 19. Juli beschlossenen Ausnahmezustand dürfte für sie noch weit unangenehmere Folgen haben. Betroffen sind neben Lufthansa vor allem Air Berlin, Condor und Sun Express. Die beiden großen türkischen Fluggesellschaften Turkish Airlines und der Billiganbieter Pegasus halten sich noch bedeckt. Doch Reiseeinschränkungen für Millionen von türkischen Staatsbediensteten alleine werden zu weiteren massiven Ausfällen führen. Beide Unternehmen sind börsennotiert und müssen die Öffentlichkeit über Änderungen bei der Gewinnprognose informieren, sobald sie sie selbst feststellen. Bislang halten beide noch an ihren Zielen fest, 2016 um jeweils 20 Prozent zu wachsen.

Quellen: Börsenzeitung, Süddeutsche Zeitung, Handelsblatt

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