Turkish Airlines-Chef Temel Kotil: „Konkurrenz spart an der falschen Stelle“

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Turkish Airlines Chef Dr Temel Kotil/Foto: Turkish Airlines

Turkish Airlines ist innerhalb kürzester Zeit zu einer der Großen unter den Airlines herangewachsen. Der Chef, Temel Kotil (55), ein Luft- und Raumfahrt-ingenieur, wurde 2003 Technik Chef bei Turkish Airlines. Er rückte schon nach zwei Jahren an die Spitze des Unternehmens. Seither heißt die Devise ,Expansion´ und zwar kräftig. 276 Ziele fliegt die Airline vom Bosporus inzwischen an, so viele wie keine andere weltweit. Irgendwas macht er richtig.

Umsatz, Gewinn, Flottengröße – alles wächst. Der neue global Player will weiter wachsen, in einer Zeit, in der andere Airlines ums Überleben kämpfen und sich vor Übernahmen fürchten. Auf den Vorwurf der europäischen Airlines , dass der türkische Staat der Flug- gesellschaft, die seit 2006 privat ist,  kräftig unter die Arme greife und damit den Wettbe- werb verzerre, antwortet er in einem Spiegelinterview folgendermaßen „Der Staat schafft günstige Rahmenbedingungen. Die Bedingungen gelten für alle Airlines, die die Türkei anfliegen. Und es steht allen anderen Ländern frei, eine ebenfalls kluge Politik zu machen. London-Heathrow zum Beispiel könnte das Drehkreuz für Transatlantikflüge werden.“

Afrika – eine riesige Chance

Auch das sagt Kotil: “ Afrika wird das neue China“. Das hätten nur viele noch nicht verstanden. Afrika ist sein Lieblingsprojekt, dort sieht er die Zukunft, denn Afrika werde das neue China und zum Paradies in der Nachbarschaft von Europa: 1,2 Milliarden Menschen, mehr Rohstoffe als in China – das sei eine riesige Chance. Früher hätte es in Afrika zwei Gruppen von Menschen gegeben: eine sehr kleine, aber extrem reiche Elite, und die gro- ße, arme Masse. Weil nur wenige Menschen fliegen konnten, sei das Flugangebot gering gewesen und die Ticketpreise hoch.
Kotil gegenüber dem Spiegel: „Wir haben gesagt: Wir müssen häufiger fliegen und dafür die Preise senken. Das macht Sinn, weil sich die afrikanische Gesellschaft verändert und eine wirtschaftlich solide Mittelschicht heranwächst.“ Nun biete man täglich Mogadischu an und sei die einzige internationale Fluggesellschaft, die überhaupt nach Somalia fliege. Ein türkisches Unternehmen habe dort ein sehr schönes Terminal gebaut und inzwischen reisten immer mehr Geschäftsleute dorthin. Somalia sei für Turkish Airlines hochprofitabel.
China und Saudi-Arabien hätten Afrika ebenfalls für sich entdeckt. Die Chinesen bauten dort viel, blieben aber unter sich. Die Saudis kauften alles Mögliche auf. Turkish Airlines sei vor Ort und suche den Kontakt zu den Einheimischen. Die türkische Regierung habe dafür gesorgt, dass Turkish Airlines in Afrika gute Rahmenbedingungen habe. „Ihre Kontakte haben geholfen, dass ich direkten Zugang zum Präsidenten von Somalia bekomme. Als ich darum bat, dass wir unsere eigenen Sicherheitsleute vor Ort brauchen, war das kein Problem.“ . Jetzt kümmere sich ein privater türkischer Sicherheitsdienst in Somalia um Turkish Airlines.“

Passagiere merken so etwas
Eine ganz klare Antwort kam von Kotil auf die Frage wie er über Billig-Airlines denke: „Die europäischen Fluggesellschaften bedienen nur noch die hochprofitablen Strecken und geben alles andere an ihre Low-Cost-Töchter ab. Aber was macht das für einen Eindruck auf die Passagiere? Was denken diese, wenn sie für ein Brötchen oder ein Getränk Geld zahlen müssen? Hier spart die Konkurrenz an der falschen Stelle. Wir haben in der Wirt- schaftskrise 2009 unsere Ausgaben für das Essen sogar erhöht. Passagiere merken so etwas.“

Mehr dazu:
Spiegel Interview

 

 

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